Rainer Wimmer: Unsere Antriebskraft – Soziale Gerechtigkeit

Mehr denn je!

Die schwarz-blaue Bundesregierung macht keinen Hehl daraus, für wen sie Politik macht: für ihre Wahlkampf-Großspender, also Millionäre und Industrielle. Die ArbeitnehmerInnen schauen bei dieser Regierung durch die Finger, Kranke kommen unter die Räder. Alle leiden unter dem Sozialabbau: Für Arbeitslose heißt es Abschaffung der Notstandshilfe, für Frauen rückschrittliche Gleichstellungspolitik, für Flüchtlinge Hetze und für JournalistInnen Attacken auf die Pressefreiheit. Die schwarz-blaue Bilanz gleicht einem sozialen Kahlschlag. Durch die Zerschlagung und Privatisierung unseres Sozialstaates sollen die Gewinne der ohnehin schon Reichen noch weiter gesteigert werden. Diese Regierung versucht, alles zu zerstören, was unsere sozialdemokratische Gewerkschaftsbewegung in mehr als einem Jahrhundert aufgebaut hat. Unter anderem auch unsere Arbeiterkammern, denn die stehen ihren Vorhaben im Weg. Die Regierung will die gesetzliche Interessenvertretung der ArbeitnehmerInnen schwächen, damit es keinen Widerspruch gibt und Unternehmen völlig freie Hand haben.

Wir sagen: Schluss damit!

Während Christgewerkschafter und Freiheitliche den arbeitnehmerInnenfeindlichen Kurs der Regierung weitgehend mittragen, kämpfen wir sozialdemokratischen GewerkschafterInnen gegen Enteignung und Entmündigung. Wir kämpfen für mehr Respekt vor den Leistungen der ArbeitnehmerInnen, für mehr soziale Gerechtigkeit und damit für ein gutes Leben für alle. Wir werden erfolgreich sein, wenn wir geschlossen und gemeinsam kämpfen!

Tatort Arbeitsplatz

Der Tod kommt oft schleichend

Martin S.* weiß nicht, wie es mit seiner Gesundheit weitergeht. Diese Angst setzt ihm auch psychisch zu. „Das ist nicht lustig“, sagt Martin ernst. „Es verändert dich, deine Familie, dein Leben. Wenn du nachdenkst, hättest du gerne früher vieles ernster, wichtiger genommen.“

Martin ist Anfang 60 und schon länger in Pension, und das keineswegs freiwillig. Er arbeitete als gelernter Maschinenschlosser jahrelang in einem Dämmstoffwerk im Schichtdienst, inklusive Überstunden. Die damaligen Nachtschichten waren wegen der Bezahlung bei den Arbeitern am beliebtesten. Auch Martin brauchte für seine junge Familie mit drei Kindern jeden Euro. Seinen Kindern etwas bieten, eine gute Starthilfe geben, das war für ihn das Wichtigste.

„Aber geleistet habe ich was in meinem Leben!“

Heute kämpft Martin mit einer Staublunge. An seinem Arbeitsplatz hat er über Jahre hinweg Schadstoffe eingeatmet. Das blieb nicht ohne Folgen. Obwohl er gerne weiter gearbeitet hätte, konnte er es nicht mehr, seine Lungenfunktion liegt unter 50 Prozent. Jetzt bekommt er weitaus weniger als seinen damaligen Lohn. Aber über seine Pension spricht er nicht allzu gerne. Da gibt er schon lieber zu, dass er zu Beginn seiner aktiven Erwerbsarbeit vielleicht nicht immer auf seine Gesundheit am Arbeitsplatz geachtet hat. Der Nachsatz dazu kommt wie aus der Pistole geschossen: „Aber geleistet habe ich was in meinem Leben!“ Dass ihm heute beim Spielen mit seinen Enkelkindern schon nach kurzer Zeit die Luft ausgeht „macht weniger Spaß“, räumt er ein.

„Da brauchst du jemanden“ Martin engagierte sich im Unternehmen später im Arbeiterbetriebsrat. Damals war dann ArbeitnehmerInnenschutz bereits ein wichtiges Thema – für ihn selbst aber vielleicht schon zu spät. „Seine alte Firma“ beschreibt Martin dennoch als vorbildlich. Warum er dann eine Staublunge hat? Natürlich hat er in jungen Jahren den Gefahren keine Bedeutung beigemessen. „Sie waren ja auch nicht sichtbar, die kleinen Partikel in der Luft. Giftigen Chemikalien sieht man das Krebs-Risiko auch nicht gleich an“, verteidigt er sich. „Da brauchst du jemanden, der dich schützt, der auf dich aufpasst.“ Immer war etwas schnell zu reparieren, damit die Maschinen weiterlaufen. „Da vergisst du selbst auch schon einmal schnell auf den Mundschutz“, weiß Martin. Ob die Einhaltung von Schutzmaßnahmen nicht auch zum ArbeitnehmerInnenschutz gehört? Ja. Sicher. Heute sieht er das auch ganz anders.

„Warum vermitteln die den jungen Menschen nicht, was Schutzgesetze in Wahrheit wert sind?“

Was Schutzgesetze wert sind Wenn Martin in der Zeitung liest, wie Schutzgesetze ins Lächerliche gezogen werden, kommen ihm die Tränen, dann kommt die Wut. „Warum vermitteln die den jungen Menschen nicht, was Schutzgesetze in Wahrheit wert sind?“, fragt er. „Es ist doch klar, dass alle Jungen glauben, die Welt niederreißen zu können. Da haben sie noch die Energie. 20 oder 30 Jahre später schaut die Realität anders aus“, weiß Martin aus eigener Erfahrung. „Zuerst spürt man die Belastungen gar nicht. Im Gegenteil, ich war noch stolz darauf, lange und hart arbeiten zu können! Als ich es merkte, dass etwas nicht passt, war es auch schon zu spät. Es gibt Beeinträchtigungen, die sind nicht mehr gutzumachen“, sagt Martin: „Man muss den Jungen konsequent eintrichtern, den Gesundheitsschutz nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.“

Martin selbst redet nur im engsten Vertrautenkreis über sein eigenes Schicksal. Sonst bleibt er lieber anonym. Warum? „Es muss nicht jeder wissen.“ Martin fragt sich heute sehr oft, wie es mit seiner Familie weitergehen wird, wenn er nicht mehr da ist, vielleicht viel früher, als er es jemals gedacht hätte in seinem Leben. Und er versucht zu scherzen: „Heute brauche ich einfach mehr Glück als Schutz!“

* Name von der Redaktion geändert

Der Text ist ein Beitrag aus dem “FSG direkt” zum Thema “ArbeitnehmerInnenschutz stärken” – hier kostenlos abonnieren

Was hat diese Regierung vor?

Zerschlagen, um zu privatisieren …

Eigentlich wollte Beate Hartinger-Klein Generaldirektorin der AUVA werden. Dafür hat es aber nicht gereicht. Nachdem sie mit ihrer Bewerbung scheiterte, ging sie auch noch vor Gericht – und scheiterte wieder. Jetzt ist sie FPÖ-Gesundheitsministerin und will die AUVA zerschlagen. Medien berichten über ihren „Rachefeldzug“ gegen die AUVA. Zunächst wird die Selbstverwaltung von ArbeitgeberInnen und Arbeitnehmerinnen zurückgedrängt.

Danach werden die Leistungen gekürzt. So lange und so weit, bis die arbeitenden Menschen eine private ­Versicherung abschließen müssen. Das kostet Geld. Und das freut den vorigen Arbeitergeber des nunmehrigen ÖVP-Finanzministers Hartwig Löger: die Uniqa-Versicherung, verbandelt mit Raiffeisen.

Damit ist auch schon alles gesagt!